Drucken

freistil

 

Jugendmedientage BW: Wir? Generation? Egoismus?

Jugendmedientage BW: Wir? Generation? Egoismus?

Vorwürfe an die Jugendgeneration sind nicht neu. Doch wie lauten sie? Und sind sie berechtigt? Gibt es überhaupt „die eine Jugend“? Die eine Generation?

 
 

Schon bei Aristoteles kam die Jugend schlecht weg. Dieser wollte die Zukunft lieber nicht in die Hände von solchen „unverantwortlichen“ Menschen legen. Viel scheint sich daran nicht geändert zu haben, denn auch heute wird „die Jugend“ immer wieder schwarz gemalt und einsortiert. Sie wird auf einen Begriff heruntergebrochen. Wörter wie „Praktikum“, „Golf“ oder eben „Egoismus“ tauchen immer häufiger im Zusammenhang mit der aktuellen Generation junger Menschen auf. Doch damit macht es sich die Gesellschaft, allen voran die selbsternannten Experten, viel zu einfach. Keine Generation lässt sich kategorisieren und einem Zustand, einem Verhalten oder gar einer bestimmen Weltanschauung zuordnen.

Heute spricht man viel von „den 68ern“ und wie „rebellisch“ und „gewaltbereit“ diese waren. Heute hingegen ist die Jugend angeblich „pragmatisch“, „karrieregeil“ und „konsumfreudig“. Allerdings waren in den 60er- und 70er-Jahren bei Weitem nicht alle Jugendliche auf der Straße, zumal die Proteste praktisch nur von Studenten ausgingen.

Jugend als Spiegel des Erreichten

Auch heute gibt es viele, die sich sozial engagieren, die sich auch mit anderen Dingen als ihrer Karriere befassen. Jugendliche werden gerne als Projektionsfläche für soziale Probleme einer Gesellschaft genutzt. An ihnen sieht man die Probleme immer zuerst. So kann man für die heutige Jugendarmut auch die vorherige Generation und ihre Versäumnisse verantwortlich machen. Allerdings lebt jede dieser Generationen nur eine Welt aus, wie sie von der vorherigen geschaffen und gestaltet wurde.

Egoismus – nicht nur eine Jugendkrankheit

So könnte man diesen „Egoismus“ nicht nur als Problem der heutigen Jugend, sondern als Problem aller Menschen bezeichnen. Ein heute noch sicher geglaubter Arbeitsplatz kann morgen schon Geschichte sein, die eigene Zukunft scheint von vielem abzuhängen, nur nicht von einem selbst. Und keiner weiß so genau, wo (und ob überhaupt) er einmal ankommt. Unter solchen Umständen bleibt selten Zeit für die Weltrettung oder wenigstens die Diskussion darüber. Der eigene Arbeitsplatz, das Studium oder die Ausbildung bindet Zeit genug und macht auch sonst ausreichend Ärger.

„Wenn ich einen sicheren Arbeitsplatz, ein schönes Haus in der Vorstadt und eine nette Familie habe, dann kann ich natürlich auch mal an andere Menschen denken.“ So oder zumindest so ähnlich scheinen viele nicht nur junge Menschen, zu denken. Die persönliche Sicherheit steht ganz oben auf der der To-Do-Liste des Lebens.

Die Welt verbessern, aber nicht zu schnell...

Allerdings soll damit nicht gesagt sein, dass heute jeder nur noch an sich denkt und alles andere komplett außer Acht lässt. Es gibt, besonders unter Jugendlichen, immer noch viele, die sich gerne engagieren und für andere einsetzen. Allerdings scheint es sich besonders bei jungen Leuten um ein pragmatisches Engagement zu halten. Wer sich heute engagieren will, geht nicht mehr unbedingt zu Parteien oder schließt sich gleich dem sozialistischen Studentenbund an. Wer sich heute engagieren will, konzentriert sich lieber auf ein Thema, macht sich zum Beispiel für die Umwelt oder ein gerechteres Bildungssystem stark. Und wenn es doch eine Partei sein soll, dann doch bitte eine, die sich für Jugendliche und ihre Belange interessiert und einsetzt. Also nicht SPD, sondern Grüne, nicht FDP, sondern Piraten.

Ein temporäres „Wir“

Besonders bei dieser Generation scheint es schwer zu sein, sie auf ein „Wir“ zu reduzieren. Es gibt nicht mehr die Arbeiterkinder oder sonstige Gruppen, sondern eine vielfältige Masse mit höchst unterschiedlichen Vorstellungen und Vorraussetzungen für die Zukunft. Ich würde vielmehr sagen, dass es eine Vielzahl von „Ichs“ gibt, die sich bei Bedarf zu einem vorübergehenden „Wir“ zusammenschließen und eine gemeinsame Idee vertreten.
Ein allgemeines Lebensgefühl, das von der gesamten Jugend oder einer anderen Generation geteilt wird, gibt es nicht. Allerdings gab es auch in früheren Zeiten nie „die eine Generation“. Annahmen dieser Art entstehen, wenn die Gesellschaft versucht, einer längst vergangenen Generation ein Gesicht oder ein Lebensgefühl aufzudrücken. Die einzelnen Menschen sind und waren viel zu unterschiedlich, als dass man sie einfach in irgendwelche Kasten stecken könnte.

Chance für alle

Was diese junge Generation am Ende doch vereint ist ihr Zugang zu Informationen und der Umgang mit den Medien. Im Internet findet beides zusammen. Und das bietet wiederum Chancen für alle. Ob egoistisch oder solidarisch, „Ich“ oder „Wir“, pragmatisch oder utopisch.

Weiterführende Links

im Jugendnetz:

im weiteren WWW:

Der Franzose prahlt mit seinem berühmten „savoir vivre", die Italiener leben „la dolce vita" und in die spanische Kultur ist die allmittägliche Siesta fest integriert. Wir Deutschen gelten hingegen gemeinhin als hektische Spaßbremsen, die vom schönen Leben keine Ahnung haben. Sind wir wirklich so? Nein, sagen die thema-Autoren, und liefern uns Kostproben aus ihrem Leben. Genuss und schöne Momente - das ist extra lebensfreude.

extra lebensfreude: Das kommt im September 2010

Der Franzose prahlt mit seinem berühmten „savoir vivre", die Italiener leben „la dolce vita" und in die spanische Kultur ist die allmittägliche Siesta fest integriert. Wir Deutschen gelten hingegen gemeinhin als hektische Spaßbremsen, die vom schönen Leben keine Ahnung haben. Sind wir wirklich so? Nein, sagen die thema-Autoren, und liefern uns Kostproben aus ihrem Leben. Genuss und schöne Momente - das ist extra lebensfreude. >>>